Wie erkenne ich die Tapinoma magnum?
Aussehen & Merkmale
Tapinoma magnum ist auf den ersten Blick leicht mit heimischen Ameisen zu verwechseln. Es gibt jedoch eindeutige Merkmale, durch die sie sich von heimischen Arten unterscheidet:
Die Ameisen der Art Tapinoma magnum sind komplett schwarz gefärbt, ohne rötliche oder braune Stellen. Ihre Arbeiterinnen sind zwischen 2 und 4 mm groß. Entscheidend ist dabei der Größenunterschied innerhalb einer Kolonie. Es gibt gleichzeitig kleine und große Tiere. Bei heimischen Arten sind die Arbeiterinnen hingegen meist gleich groß. Die weißlich-transparenten Puppen der Tapinoma magnum liegen ohne Hülle im Nest, wohingegen die Puppen heimischer Arten vornehmlich in Kokons liegen. Die Ameisen lassen sich auch über den kleinen „Knoten“ zwischen Vorder- und Hinterleib unterscheiden. Denn bei Tapinoma magnum ist dieser Knoten so flach, dass er vom Hinterleib verdeckt wird.

Weitere Unterscheidungsmerkmale sind in Ihrem Verhalten zu erkennen. Statt der typischen schmalen Ameisenstraßen, bildet Tapinoma magnum breite, mehrspurige "Ameisen-Autobahnen". Grundsätzlich verhält sie deutlich aggressiver und verteidigungsbereiter als heimische Ameisenarten. Bei einer Störung des Nests oder der Straßen strömen Tausende Arbeiterinnen sofort herbei und greifen den Störenfried an. Dabei sind ihre Bisse wesentlich unangenehmer als die, der heimischen Arten und können zu deutlichen Hautreaktionen führen. Statt Ameisensäure versprüht die Große Drüsenameise ein Wehrsekret (Dolichodial), welches eine stärkere Wirkung hat. Werden die Ameisen gereizt oder zerdrückt, verströmen sie außerdem einen intensiven, chemischen Geruch, der an ranzige Butter, Aceton oder Nagellackentferner erinnert.
Nahrung und Nestentwicklung (Die Superkolonie)
Das entscheidende Merkmal von Tapinoma magnum ist ihre Fähigkeit, riesige Superkolonien zu bilden. Anders als heimische Ameisen, die ein einzelnes Nest mit einer Königin bewohnen, schafft die Große Drüsenameise ein dezentrales Netzwerk aus unzähligen Nestern, die friedlich koexistieren und sich sogar austauschen können.
Eine einzige Superkolonie kann sich über 20 Hektar erstrecken und aus über 20 Millionen Arbeiterinnen bestehen. Statt einer Königin gibt es Tausende in den zusammenarbeitenden Kolonien, wobei in einem einzelnen Nest bis zu 350 Königinnen leben können. Diese Struktur verleiht der Kolonie eine Art „potenzielle Unsterblichkeit“, da sie den Verlust einzelner Nester problemlos verkraftet.
Als Nahrung dient ihnen fast alles, eine besondere Vorliebe haben sie aber für den Honigtau von Blattläusen, die sie aktiv „pflegen“ und vor Fressfeinden schützen. Ihre Nester legen sie bevorzugt in trockenen, sandigen Böden unter versiegelten Flächen wie Gehwegen, Terrassen oder Steingärten an. Die Nesteingänge sind oft an großen Mengen aufgeworfenen Sandes zu erkennen. Die Gangsysteme können bis zu zwei Meter tief in die Erde reichen.

Ist Tapinoma magnum gefährlich?
Die direkte Gefahr für den Menschen ist gering, die indirekten Schäden sind jedoch enorm.
Gefahr für Menschen und Haustiere
Für den Menschen ist Tapinoma magnum nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend. Die Tiere sind zwar aggressiv und beißen bei Störung schnell zu, was unangenehm ist, aber keine ernsten Folgen hat. In seltenen Fällen können die Bisse kurzfristige allergische Reaktionen auslösen. Viele Betroffene berichten jedoch von einer erheblichen psychischen Belastung durch die schiere Masse der Tiere und das ständige Eindringen in den Wohnbereich. Für Haustiere stellen sie in der Regel keine Gefahr dar, auch wenn sie diese bei Bedrohung ebenfalls attackieren können.
Bedrohung für Infrastruktur und Wirtschaft
Die wahre Gefahr geht von der unermüdlichen Bautätigkeit der Ameisen aus. Ihre tiefen und weitverzweigten Nester untergraben die Stabilität von:
- Gehwegen, Straßen und Plätzen: Pflastersteine sacken ab, der Untergrund wird instabil. In Kehl musste deswegen bereits ein Kinderspielplatz gesperrt werden.
- Technischer Infrastruktur: Angelockt von Wärme, dringen die Ameisen in Stromverteilerkästen, Serverräumen und Telekommunikationsanlagen ein. Dort können sie durch das Annagen von Kabeln Kurzschlüsse und Ausfälle von Strom und Internet verursachen.
- Gebäuden: Sie können Dämmmaterialien zernagen und durch kleinste Risse in Fundamente eindringen.
Die Kosten für die Bekämpfung und die Beseitigung der Schäden sind immens. Die Behandlung einer einzigen Superkolonie eine Kommune mit bis zu 50.000 Euro belasten kann.
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Ökologische Schäden
Als invasive Art hat Tapinoma magnum in Deutschland kaum natürliche Feinde und kann sich ungehindert ausbreiten. Dabei verdrängt sie heimische Ameisenarten und stört so das ökologische Gleichgewicht. Ihre „Pflege“ von Blattläusen führt zudem zu einem erhöhten Schädlingsdruck auf Pflanzen im Garten.
Woher kommt Tapinoma magnum?
Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, hat sich diese Spezies in den letzten Jahren unbemerkt, aber unaufhaltsam in Deutschland ausgebreitet. Erste Fälle wurden bereits 2009 in Rheinland-Pfalz registriert. Heute ist sie vor allem in den wärmeren Regionen Süd- und Westdeutschlands zu finden.
Mittlerweile gibt es bestätigte Vorkommen in Hessen und sogar in weiter nördlich gelegenen Städten wie Köln, Hannover, Coswig, Dresden und im Kreis Wesel (NRW). Die Ameise folgt den Verkehrswegen und Handelsrouten und etabliert sich in immer neuen Regionen.
Das Naturkundemuseum Karlsruhe stellt eine Karte bisheriger Fundorte zur Verfügung: https://artenkenntnis.info/de/anfragen/tapinoma-melden
Die Ausbreitung wird durch zwei globale Megatrends begünstigt: den internationalen Warenverkehr, der die Ameise in der Erde von Zierpflanzen wie Olivenbäumen über weite Strecken transportiert, und den Klimawandel. Mildere Winter und heißere, trockenere Sommer schaffen in Deutschland zunehmend Lebensbedingungen, die denen in der ursprünglichen Heimat der Ameise im Mittelmeerraum ähneln und ihr Überleben und ihre Ausbreitung fördern.
Forschungsprojekte, wie das der Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe, das vom Land Baden-Württemberg mit 210.000 Euro gefördert wird, arbeiten daran, die Ausbreitung besser zu verstehen und effektivere Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Für Betroffene gilt jedoch: Proaktives und professionelles Handeln ist der einzig wirksame Schutz.
Wie kann man Tapinoma magnum bekämpfen?
Die Bekämpfung einer Superkolonie ist extrem schwierig und erfordert eine professionelle, langfristige Strategie.
Rechtlicher Status und Meldung
Obwohl sie massive Schäden verursacht, steht Tapinoma magnum derzeit nicht auf der EU-Liste invasiver Arten. Das bedeutet, es gibt keine offizielle Meldepflicht und die Verantwortung für die Bekämpfung liegt bei den Grundstückseigentümern bzw. den Kommunen auf öffentlichen Flächen. Dennoch bitten Behörden und Forschungsprojekte dringend darum, jeden Verdachtsfall zu melden, um die Ausbreitung zu dokumentieren. Wenden Sie sich bei einem Verdacht an Ihre Gemeinde, an das Meldeportal des NABU oder direkt an die Meldestelle des Forschungsprojekts: https://artenkenntnis.info/de/anfragen/tapinoma-melden
Professionelle Bekämpfungsmethoden
Die mit Abstand wirksamste Methode sind spezialisierte Ködergele mit verzögerter Wirkung. Diese werden von den Arbeiterinnen als Nahrung aufgenommen und ins Nest getragen, um sie an die Brut und vor allem an die Königinnen zu verfüttern. Der Wirkstoff tötet nicht sofort, sondern erst nach einigen Tagen. Diese Verzögerung ist entscheidend, damit der Köder das gesamte, riesige Nest-Netzwerk erreicht und die Kolonie von innen heraus zerstört.
Dieser Ansatz ist keine einmalige Aktion, sondern eine langfristige Kampagne, die sich über Wochen oder sogar Monate erstrecken kann. Ergänzend können Methoden wie Heißwasser oder Heißschaum eingesetzt werden, um lokale Populationen schnell zu reduzieren.
Warum eine eigenständige Bekämpfung gefährlich und sinnlos ist
- Ineffektivität von Hausmitteln: Kochendes Wasser, Backpulver oder Essig erreichen nur die Arbeiterinnen an der Oberfläche. Die Königinnen in bis zu zwei Metern Tiefe bleiben unberührt, und die Kolonie erholt sich sofort.
- Risiken durch frei verkäufliche Insektizide: Diese Mittel wirken oft zu schnell und verhindern, dass der Wirkstoff zu den Königinnen transportiert wird. Zudem gefährden sie im Außenbereich nützliche Insekten, Haustiere und das Grundwasser.
- Gefahr der Verschleppung: Unsachgemäße Eingriffe, wie das Umgraben von Nestern oder die Entsorgung von befallenem Grünschnitt, können dazu führen, dass Königinnen und Brut an neue Orte verschleppt werden und sich die Plage weiter ausbreitet.
- Verwechslungsgefahr: Ohne eine gesicherte Bestimmung besteht die Gefahr, nützliche und teils geschützte heimische Ameisenarten zu vernichten, die wichtige Funktionen im Ökosystem erfüllen.
- Verlagerung der Kolonie: Eine Superkolonie macht nicht an Grundstücksgrenzen halt. Sie kann sich über Dutzende Grundstücke, öffentliche Parkanlagen und Firmengelände erstrecken. Eine Behandlung auf einem Grundstück führt lediglich dazu, dass sich die Ameisen in einen unbehandelten Teil der Kolonie auf dem Nachbargrundstück zurückziehen, um nach Abklingen der Maßnahme zurückzukehren. Der Erfolg der eigenen Maßnahmen hängt somit direkt vom Handeln oder Nichthandeln der Nachbarn und der zuständigen Kommune ab.
Fazit und Handlungsempfehlung
Die Große Drüsenameise ist eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere Infrastruktur und eine Belastung für Betroffene. Eine vollständige Ausrottung ist nach derzeitigem Stand unrealistisch. Das Ziel ist die Eindämmung.
Das Wichtigste im Überblick:
- Erkennen: Achten Sie auf die Kombination aus variabler Größe, schwarzer Farbe, breiten "Ameisen-Autobahnen" und dem charakteristischen Geruch.
- Gefahr: Die Hauptgefahr sind nicht Bisse, sondern massive und kostspielige Schäden an Infrastruktur und Gebäuden.
- Melden: Auch ohne Meldepflicht sollten Sie jeden Verdacht Ihrer Gemeinde, dem NABU oder dem Naturkundemuseum Karlsruhe melden, um die Ausbreitung zu dokumentieren.
- Handeln: Versuchen Sie keine eigenständige Bekämpfung. Beauftragen Sie immer einen professionellen Schädlingsbekämpfer und stimmen Sie sich mit Ihren Nachbarn ab, da nur ein koordiniertes Vorgehen Erfolg verspricht.
Die Zukunft im Umgang mit Tapinoma magnum
Die Faktenlage ist eindeutig: Tapinoma magnum ist zu einem festen Bestandteil der Fauna in vielen Teilen Deutschlands geworden. Führende Experten sind sich einig, dass eine vollständige Ausrottung der bereits etablierten Superkolonien nach heutigem Stand unrealistisch ist. Die Herausforderung der Zukunft liegt daher nicht in der Beseitigung, sondern in der Entwicklung intelligenter, langfristiger Strategien zur Eindämmung und zum Management dieser invasiven Art.
Damit könnte Tapinoma magnum ein Vorbote dessen sein, was in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch mit anderen invasiven Arten auf uns zukommen könnte.







