Weltweit gibt es etwa 16.000 dokumentierte Ameisenarten. Davon sind 110 in Deutschland heimisch. Trotz ihrer geringen Größe kann eine Ameise etwa das 100-fache ihres eigenen Körpergewichtes stemmen.

Ameisen sind in Deutschland keine Seltenheit. Während sie sich hauptsächlich in Wäldern und auf Wiesen ausbreiten, können einige der Arten sich auch in Häuser und Wohnungen einnisten und dort unter Umständen sowohl ein gesundheitliches Risiko darstellen als auch wirtschaftlichen Schaden verursachen. Sollten sich Ameisen bei Ihnen eingeschlichen haben, sollten Sie also schnell handeln.
Haben Sie Ameisen bei sich im Haus oder in der Wohnung bemerkt, so handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine der folgenden Arten.
Diese heimischen Ameisenarten nisten primär im Freiland, zum Beispiel unter Gehwegplatten, im Rasen oder in Felsspalten. Auf der Suche nach süßen oder proteinhaltigen Lebensmitteln dringen sie im Frühjahr und Sommer über kleinste Öffnungen in Küchen, Speisekammern oder Terrassenbereiche ein. Obwohl sie in der Regel keine direkten Bauschäden verursachen, bilden sie lange Ameisenstraßen und gelten im Wohnbereich als lästige Vorratsschädlinge.
Die schwarze Wegameise (Lasius niger), oder schwarzgraue Wegameise, ist eine staatenbildende Ameisenart. Pro Kolonie gibt es eine Königin. Die Arbeiterinnen gehen gern auch in Innenräumen auf Nahrungssuche, in die sie häufig durch kleine Ritzen und Spalten gelangen. Dabei bilden sie offene und gut sichtbare Ameisenstraßen und werden vor allem von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln angezogen.
Über einen kurzen Zeitraum sind auch fliegende schwarze Wegameisen unterwegs. Bei ihnen handelt es sich entweder um männliche Ameisen oder um Jungköniginnen, wobei keine der beiden auf Nahrungssuche sind, sich aber dennoch in Innenräume verirren können.

Die Zweifarbige Wegameise (Lasius emarginatus) bevorzugt eine warme und trockene Umgebung. In der Natur nistet sie sich vor allem unter Steinen, in Felsspalten und Hohlräumen sowie in morschem Holz ein. Jedoch können auch Gemäuer aus Stein und Beton sowie morsche, aber auch intakte Holzteile als Nistplatz dienen. Zudem können sich die Tiere auch in Zwischendecken ansiedeln, wo sie ihre Nester in Dämmplatten aus Styropor und ähnlichen Stoffen bauen.

Als Holzameisen werden verschiedene Arten bezeichnet, die ihre Nester bevorzugt in verarbeitetem Holz, Dämmstoffen oder morschen Bäumen anlegen. Sie ernähren sich zwar nicht direkt vom Holz, höhlen Bausubstanzen wie Dachgebälk, Wandverkleidungen oder Fensterrahmen jedoch systematisch aus, um dort weitverzweigte Gangsysteme zu errichten. Ein unbemerkter Befall durch diese Materialschädlinge kann gravierende statische Schäden am Gebäude verursachen.
Die braune Wegameise (Lasius brunneus), auch als braune Holzameise bekannt, ist ebenfalls eine staatenbildende Ameisenart. Im Gegensatz zu den schwarzen Wegameisen kann eine Kolonie allerdings auch mehrere Königinnen haben. Zudem sind sie unter Umständen schwieriger zu erkennen, da sie sich „unsichtbar“ bewegen und keine Ameisenstraßen bilden.
Die braunen Holzameisen sind im Innenraum nicht nur auf Nahrungssuche, sondern bauen ihr Nest auch gern, wie der Name sagt, in verbautem Holz oder Wärmedämmplatten.

Die Rossameise ist die größte der fünf Ameisenarten und auch die größte in Deutschland heimische Ameisenart. Die Braunschwarze Rossameise (Camponotus ligniperdus) bevorzugt eine eher warme und trockene Umgebung; die Schwarze Rossameise (Camponotus herculeanus), auch Holzameise genannt, hingegen siedelt sich bevorzugt feuchtere und kühlere Gebiete. Sie legt hier ihre Nester gewöhnlich in lebenden Bäumen an, kann jedoch auch im Gebälk von Häusern angetroffen werden, vor allem wenn es sich um Kiefer- und Fichtenholz handelt.

Invasive Ameisen stammen oft ursprünglich aus tropischen oder mediterranen Regionen und wurden durch den weltweiten Warenverkehr nach Deutschland eingeschleppt. Im Gegensatz zu heimischen Arten bilden sie oft riesige Superkolonien mit hunderten Königinnen. Da sie wärmeliebend sind, nisten sie sich bevorzugt in geheizten Innenräumen, Zwischenwänden oder Heizungsschächten ein. Invasive Arten wie die Pharaoameise oder Tapinoma magnum gelten als gefährliche Hygiene- und Materialschädlinge: Sie übertragen Keime, beschädigen elektrische Geräte sowie Kabel und sind mit herkömmlichen Hausmitteln kaum zu bekämpfen.
Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) ist die kleinste der drei Ameisenarten, welche sich bevorzugt von proteinhaltiger Nahrung ernährt. Ihre Kolonie hat mehrere Königinnen, wobei die Besonderheit ist, dass die große Kolonie sich in Gefahrensituationen in viele kleine Kolonien aufteilen kann.
In der Regel gelangen Pharaoameisen, anders als die Weg- und Rossameisen, nicht von außen in die Innenräume, sondern werden eingeschleppt. Ihre Nester bauen sie anschließend gut versteckt, vorzugsweise an warmen Orten, wodurch sie nur schwer zu finden sind. Selbst die Ameisenstraßen bemerkt man häufig erst, wenn das Volk bereits sehr groß ist.

Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Ameisenart Tapinoma magnum breitet sich seit einigen Jahren auch in Deutschland immer weiter aus und gilt als extrem invasiv. Auch sie bildet sogenannte „Superkolonien“ mit hunderten von Königinnen und Millionen von Arbeiterinnen, die untereinander nicht aggressiv sind. Dadurch verdrängen sie heimische Arten und breiten sich flächendeckend in Gärten, Gehsteigen und an Hausfassaden aus. Tapinoma magnum untergräbt Pflastersteine, beschädigt Strom- sowie Internetkabel und dringt auf der Suche nach Nahrung massenhaft in Innenräume ein. Bei Bedrohung können die Tiere zudem leicht beißen und eine beißende Säure absondern. Informationen zur Bekämpfung dieser Art finden Sie hier.

Wie beschrieben leben alle fünf der genannten Ameisenarten in Kolonien, die von einer oder mehreren Königinnen geführt werden. Eine Kolonie besteht neben den Königinnen aus Arbeiterinnen, Männchen und später auch Jungköniginnen. Sowohl die Männchen als auch die Jungköniginnen haben Flügel und fliegen teilweise im Sommer zur Paarung aus. Ist eine Jungkönigin befruchtet, wirft sie jedoch ihre Flügel ab.
Die Lebensdauer der Ameisen unterscheidet sich stark, beispielsweise:
Die Weg- und Rossameisen sind vor allem Materialschädlinge. Davon sind vor allem Holz und Dämmmaterialien betroffen. Bei starkem Befall können Bauteile in ihrer Tragfähigkeit beeinträchtigt sein – ein Befall ist also ein sehr ernst zu nehmender Zustand.
Die Gefahr von Pharaoameisen hingegen ist vor allem gesundheitlicher Natur. Vor allem in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern stellen sie wegen Keimübertragung und -verbreitung ein ernstzunehmendes Risiko für Patienten dar. Auch die Beschädigung elektrischer Geräte ist keine Seltenheit, da die Tiere in kleinste Spalten vordringen und Kurzschlüsse verursachen können.
Im Lebensmittelhandel, aber auch in Privathaushalten, können alle Arten – vorwiegend jedoch Pharaoameisen – außerdem betroffene Lebensmittel verunreinigen und beschädigen.

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