Woher kommen plötzlich fliegende Ameisen?
Die Entwicklung aller Ameisen folgt einem festen Ablauf. Ähnlich wie Schmetterlinge durchlaufen sie eine komplette Metamorphose. Aus einem Ameisenei schlüpft eine Larve, die sich später verpuppt, woraus sich im letzten Schritt die erwachsene Ameise entwickelt. Die Männchen entwickeln sich hierfür aus unbefruchteten Eiern, wohingegen sich aus befruchteten Eiern in der Regel weibliche Ameisen entwickeln. Ob aus einer weiblichen Larve eine geflügelte Königin oder eine einfache Arbeiterin wird, entscheidet sich durch die Fütterung mit einer speziellen, proteinreichen Nahrung.
Sowohl die besonders gefütterten weiblichen Larven als auch die männlichen Larven verpuppen sich am Ende ihrer Larvenzeit. Erst während dieser Puppenruhe bilden sich ihre Flügel vollständig aus. Beim finalen Schlüpfen sind die jungen Königinnen und Männchen voll entwickelt und besitzen direkt ihre Flügel.

Welche Ameisenarten vollziehen einen Hochzeitsflug?
Die meisten heimischen Arten vollziehen einen Schwarmflug zur Paarung. Jedoch nicht alle Arten paaren sich in der Luft. Einige Ameisen pflanzen sich auch direkt in oder auf ihrem Nest fort. Das ist vor allem bei invasiven Arten der Fall. Eine kurze Einordnung bekannter Ameisenarten verdeutlicht diese unterschiedlichen Strategien bei der Fortpflanzung:
Heimische Ameisenarten mit Hochzeitsflug:
- Schwarze Wegameise (Lasius niger): Die häufigste Ameise in Deutschland (oft auf Terrassen und Gehwegen). Ihr massenhafter Hochzeitsflug an schwülen Hochsommertagen ist das bekannteste Beispiel für Flugameisen.
- Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus): Baut oft kleine Erdhügel im Rasen. Auch sie schwärmt in riesigen Wolken im Hoch- und Spätsommer.
- Braunschwarze Rossameise (Camponotus ligniperda): Die größte heimische Ameise (häufig anzutreffen in verbautem Holz). Ihr Schwarmflug findet meist im Frühsommer (Mai/Juni) statt.
- Rote Gartenameise (Myrmica rubra): Die bekannte „rote Ameise“, die auch stechen kann. Sie schwärmt im Spätsommer (August/September).
Heimische Ameisenarten ohne Hochzeitsflug:
- Kahlrückige Waldameise (Formica polyctena): Sie baut riesige Hügel und hat den echten Schwarmflug aufgegeben. Die Paarung findet oft in Massen direkt auf dem Ameisenhügel statt.
- Schmarotzerameise (Anergates atratulus): Eine seltene heimische Art. Die Männchen entwickeln sich flügellos und paaren sich im dunklen Nest direkt mit den flugfähigen Weibchen.
Invasive Arten:
- Pharaoameise (Monomorium pharaonis): Ein gefährlicher Hygieneschädling (z. B. in Krankenhäusern). Sie bildet zwar geflügelte Geschlechtstiere, aber sie fliegen nicht. Die Paarung findet im Nest statt.
- Große Drüsenameise (Tapinoma magnum): Diese Ameise verursacht riesige Infrastrukturschäden. Die Männchen fliegen höchstens extrem kurze Strecken. Der eigentliche Hochzeitsflug bleibt aus und die Paarung findet im Nestverbund statt.
- Argentinische Ameise (Linepithema humile): In Deutschland meist auf Gewächshäuser oder sehr warme urbane Gebiete beschränkt. Die Jungköniginnen paaren sich im Nest und bilden die weltgrößten bekannten Superkolonien.
Das Warten auf den perfekten Moment
Die voll ausgebildeten Ameisen fliegen nach dem Schlüpfen nicht sofort los. Sie bleiben oft noch Wochen oder sogar Monate im sicheren Nest. Erst bei idealen Bedingungen verlassen alle geflügelten Ameisen gleichzeitig ihren Bau. Wetterfaktoren spielen hier die entscheidende Rolle, denn das richtige „Flugwetter“ ist nur bei folgenden Bedingungen gegeben:
- Wärme: Die geflügelten Insekten benötigen angenehme Temperaturen für ihren Ausflug, in der Regel über 20 Grad.
- Luftfeuchtigkeit: Ameisen lieben schwülwarmes Wetter. Oft findet der Hochzeitsflug kurz vor einem Gewitter oder direkt nach einem warmen Sommerregen statt.
- Windstille: Da Ameisen keine besonders starken Flieger sind, warten sie auf Tage mit sehr wenig Wind.
Wann verschwinden fliegende Ameisen?
Der Hochzeitsflug der Ameisen findet in Deutschland im Zeitraum von Mai bis September statt. Wann genau eine Kolonie startet und endet, hängt stark von der jeweiligen Ameisenart und vor allem vom Wetter ab. Der eigentliche Flug einer Ameise dauert dabei nur wenige Stunden (1–4 Std.).
Der Zeitraum
Jede Art hat ihr eigenes Zeitfenster, in dem die geflügelten Königinnen und Männchen das Nest verlassen. Unter Umständen beendet eine Art gerade ihren Paarungsflug, wenn eine andere Art beginnt, auszuschwärmen. Innerhalb einer Art sind die Flüge aber in der Regel synchronisiert und damit relativ gleichzeitig.
Die Dauer
Man muss hier zwischen der Dauer für die gesamte Region und der Dauer für ein einzelnes Nest unterscheiden:
- Pro Nest: Der eigentliche Abflug aus einem Nest dauert meist nur wenige Stunden (oft am Nachmittag).
- Pro Region: Da nicht alle Nester einer Art in einer Stadt exakt zur gleichen Minute starten, kann sich das Phänomen über 1 bis 2 Tage hinziehen.
- Häufigkeit: Eine Kolonie führt diesen Hochzeitsflug in der Regel nur einmal pro Jahr durch.
Was passiert nach der Paarung in der Luft?
Der Flug ist kurz und intensiv. Die Weibchen paaren sich in der Luft mit mehreren Männchen. Den aufgenommenen Samen bewahrt die junge Königin auf. Sie verwendet ihn ein Leben lang für die Produktion neuer Ameisen. Sie landen auf dem Boden und suchen nach einem geeigneten Ort für eine neue Kolonie. Alternativ schließen sie sich einem bereits bestehenden Nest an. Unter der Erde benötigen sie ihre Flügel nicht mehr. Daher werfen die Königinnen diese aktiv ab oder beißen sie einfach ab. Die Männchen sterben kurz nach der Paarung, in der Regel nach wenigen Stunden. Vereinzelt kann man sie jedoch noch zwei Tage später sehen, dann aber nicht mehr als Schwarm.

Sind fliegende Ameisen schädlich?
Eine direkte gesundheitliche Gefahr geht von den heimischen Flugameisen nicht aus. Sie stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Für sensible Branchen wie Hotellerie oder Lebensmittelproduktionen stellt die Masse der Insekten jedoch ein massives Hygieneproblem dar. Ein Schwarmflug im Innenbereich deutet außerdem auf die Existenz eines sehr großen Nestes direkt im oder unter dem Gebäude hin. Das kann langfristig zu Schäden an der Bausubstanz führen.
Vorbeugung und das Erkennen eines Befalls
Einzelne Flugameisen am offenen Fenster machen noch keinen Befall aus. Diese Ausreißer verirren sich meist zufällig von draußen in das Gebäude. Eine gänzlich andere Situation ist es, wenn Hunderte fliegende Ameisen in einem zuvor geschlossenen Zimmer umherfliegen. In einem solchen Fall verbirgt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ausgewachsenes Nest tief in der Bausubstanz und man spricht von einem Befall. Ein weiteres Indiz hierfür können kleine Sandhaufen oder feiner Holzstaub entlang der Fußleisten sein.
Folgende vorbeugende Maßnahmen können Sie treffen:
- Bei offenen Fenstern Licht ausschalten (Ameisen werden durch das Licht angezogen)
- Fenster und Türen mit Fliegengitter sichern
- Verirrte Tiere nach draußen setzen (verhindert Nestbau im Haus)
- Nahrungs- und Wasserquellen entfernen
- Lebensmittel und Vorräte luftdicht verschließen
- Bereiche sauber halten
- Holz- oder Blätterhaufen nicht direkt am Haus lagern
- Undichte Stellen in der Fassade verschließen
- Luftöffnungen mit Schutzgittern sichern

Wie bekomme ich fliegende Ameisen weg?
In der Regel dauert der Schwarmflug nur wenige Stunden beziehungsweise Tage. Deshalb ist es im privaten Umfeld nur selten notwendig, sie zu bekämpfen. Einzelne fliegende Ameisen in Innenräumen können eingesammelt und freigelassen oder im Zweifel mit einem Staubsauger eingesaugt werden. Im Garten leisten die Ameisen sogar äußerst nützliche Arbeit. Sie verfüttern nämlich auch andere Insekten an ihren Nachwuchs.
Wer dennoch tätig werden will, sollte auf Köderboxen verzichten. Die darin enthaltenen Lockstoffe ziehen nur noch mehr Tiere aus der Umgebung an, die gerade einen Partner suchen. Sinnvoller ist dann stattdessen der Einsatz von Hausmitteln, welche wir bereits genau unter die Lupe genommen haben.
Erst wenn sie anfangen, einen Bau an einer unerwünschten Stelle anzulegen, werden sie zur Plage. Eine nachhaltige Lösung sollte dann der nächste Schritt sein, und die erfordert fachliches Wissen eines Experten.
Besonders in sensiblen Branchen wie der Gastronomie oder der Lebensmittelproduktion sollte jedoch sofort gehandelt werden. Ein plötzlicher Schwarmflug oder schon einzelne Tiere stören den laufenden Betrieb. Genau für solche kritischen Situationen bietet SchädlingsHero diskrete und reaktionsschnelle Gewerbelösungen an.
Fachbetriebe aus dem SchädlingsHero-Netzwerk lokalisieren das Hauptnest präzise. Mit speziellen Köderverfahren und professionellen Methoden wird die gesamte Kolonie mitsamt der Königin dauerhaft entfernt.



