Der Klimawandel und sein Einfluss auf Schädlinge in Unternehmen

Milde Winter und lange Sommer verändern Deutschlands Ökosysteme. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie sich der Klimawandel auf Ihr Schädlingsrisiko auswirkt und wie Sie Ihr Unternehmen schützen können.

Klimawandel trifft Globalisierung: perfekte Bedingungen für Schädlinge

Die klimatischen Veränderungen wirken sich nicht nur auf den Menschen aus, sondern auch auf die Lebensbedingungen von Schädlingen. Diese Entwicklung stellt Immobilienverwaltungen, Gastronomie und Hotellerie sowie die Lebensmittelindustrie vor völlig neue Herausforderungen in Sachen Hygiene, Prävention und Schutz.

Die Klimaerwärmung beeinflusst Schädlingspopulationen unmittelbar: Höhere Temperaturen beschleunigen die Stoffwechselrate der Tiere, wodurch sie sich häufiger paaren können. Milde Winter sichern das Überleben vieler Insekten und Schadnager, was im Frühjahr zu größeren Ausgangspopulationen und wiederum zur Entwicklung von mehr Generationen pro Jahr führt. 

Ein prägnantes Beispiel hierfür ist die erneute Ansiedlung von Bettwanzen. In den letzten Jahrzehnten waren sie in Deutschland fast ausgerottet. Durch den globalen Reiseverkehr und die wärmeren Bedingungen können sich die Populationen jedoch wieder etablieren. Diese Entwicklung bildet sich auch im jährlichen Schädlingsreport von SchädlingsHero ab, in dem anteilig alle eingegangenen Bekämpfungsanfragen pro Jahr ausgewertet werden.

Obwohl die Bettwanzenanfragen 2024 scheinbar stagnierten, ist dies auf einen Anstieg an Fehlalarmen im Herbst/Winter 2023 zurückzuführen, ausgelöst durch mediale Berichte. Bereinigt man die Daten um diese Fehlalarme, zeigt sich der erwartete leichte Anstieg, passend zum globalen Reisetrend. 2024 lag der Anteil aller Bekämpfungsanfragen von Bettwanzen damit deutschlandweit bei über 19 %. In Berlin sind sie sogar der meistgenannte Schädling: Anfragen zur Bettwanzenbekämpfung machten hier 42 % aller Meldungen aus. Die Ergebnisse zeigen: Die Bettwanze ist zurück und hat sich erneut in Deutschland etabliert.

Inhaltsverzeichnis

Doppelte Gefahr: Heimische Schädlinge und invasive Arten im Klimawandel

Veränderte Umweltbedingungen wirken wie ein Katalysator für die Schädlingsproblematik. Die Auswirkungen zeigen sich in zwei markanten Entwicklungen: einer rapiden Vermehrung einheimischer Arten und der Etablierung neuer, invasiver Arten durch den Klimawandel.

Wie beeinflusst der Klimawandel heimische Schädlinge?

Die milderen Winter und längeren, wärmeren Sommer haben direkte Auswirkungen auf den Fortpflanzungszyklus der Schädlinge und ihre Überlebenschancen. Was früher saisonal bedingt war, wird nun zu einem ganzjährigen Problem. Schädlingspopulationen, die sich in Lagerhallen oder gastronomischen Betrieben entwickeln, können sich rapide vermehren, wenn die Umgebung konstant warm bleibt. Je bessere Bedingungen Schädlinge vorfinden, desto schwerer sind sie auch loszuwerden – vor allem langfristig. Dies ist ein deutliches Signal für die Gefährdung von Unternehmen und städtischen Ökosystemen.

Verbesserte Überlebensbedingungen

Früher sorgten kalte Winter dafür, dass viele Larven und Puppen der Schädlinge starben. Milde Winter ermöglichen es den Tieren, diese Jahreszeit problemlos zu überleben. So sind bereits zu Beginn des Frühlings mehr Motten und Käfer aktiv, was den Befallsdruck von Anfang an erhöht.

Höhere Temperaturen sorgen bei Schadnagern wie Ratten für eine längere Brutsaison und bessere Überlebensbedingungen. Frost und Schnee, die früher einen natürlichen Regulierungsmechanismus darstellten, sind seltener geworden. Weniger Jungtiere sterben in den ersten Lebensmonaten, was die Überlebensrate der gesamten Population erhöht. 

Alle Arten von Schädlingen profitieren durch den späten Frost von länger verfügbaren Nahrungsquellen in der Natur. Das führt dazu, dass sich im Winter größere Populationen in Betriebe und Gebäude zurückziehen können, um sich dort weiter auszubreiten.

Die Grafik zeigt die potenzielle Zunahme der jährlichen Reproduktionszyklen bei Wanderratten unter idealisierten wärmeren Bedingungen im Vergleich zu einem gemäßigten Klima.

Verkürzte Entwicklungszyklen 

Ein weiterer Katalysator für den Anstieg von Schädlingspopulationen sind klimabedingt kürzere Entwicklungszyklen. Ein deutliches Beispiel dafür ist die Dörrobstmotte, eine der häufigsten Lebensmittelmottenarten in Lagerhallen, Restaurants oder Lebensmittelbetrieben.

  • Bei einer Temperatur von 20 °C benötigt die Dörrobstmotte etwa 70 Tage für ihre Entwicklung
  • Steigt die Temperatur auf 30 °C, verkürzt sich dieser Zyklus drastisch. Die Entwicklung dauert dann nur noch rund 28 Tage.

Das bedeutet: Eine um 10 Grad höhere Temperatur kann die Entwicklungszeit der Motte um mehr als die Hälfte reduzieren. Das erlaubt ihr einen zusätzlichen Fortpflanzungszyklus.

Wie beeinflusst der Klimawandel invasive Arten?

Neben heimischen Arten breiten sich auch invasive Spezies aus. Die Ausbreitung ist ein Zwei-Faktor-Problem. Der Klimawandel schafft die notwendigen Lebensbedingungen, während die Globalisierung die Transportmittel bereitstellt. Arten wie die Pharaoameise oder die Asiatische Hornisse stammen ursprünglich aus wärmeren Regionen. Sie gelangen oft als „blinde Passagiere“ über internationale Warentransporte in das Land und finden hier dank der milden Winter und längeren Sommer ein geeignetes Klima, um sich zu etablieren.

Die Darstellung zeigt die stark ansteigende Anzahl bestätigter Sichtungen der Asiatischen Hornisse in Deutschland, basierend auf Meldedaten. Dies verdeutlicht die rapide Ausbreitung.

Das Risiko liegt nicht nur im Befall selbst. Viele dieser Arten können sich unvorhersehbar auf heimische Ökosysteme auswirken und potenziell neue Krankheiten auf Menschen und Tiere übertragen. Zudem ist auch die Bekämpfung oft schwieriger. Invasive Arten lassen sich häufig nicht mit denselben Mitteln wie einheimische Arten bekämpfen. So ist ein Zeitraum der Forschung und Entwicklung notwendig, bis geeignete Mittel gefunden und zugelassen werden.

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Mehr als nur lästig: Die wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen

Die biologischen Entwicklungen erhöhen den Druck auf Branchenentscheider. Denn Schädlinge sind weit mehr als nur ein Hygieneproblem. Sie stellen ein direktes Risiko für die finanzielle Stabilität dar. Ihre Auswirkungen reichen von Reputationsschäden bis hin zu rechtlichen Konsequenzen.

Risiko für Image und Vertrauen

Ein Schädlingsbefall in der Gastronomie, Hotellerie oder Lebensmittelindustrie kann das Vertrauen von Kunden und den Markenwert irreparabel schädigen. Auch Immobilienverwaltungen riskieren neben Gebäudeschäden auch Mieterbeschwerden und einen schlechten Ruf. In der heutigen vernetzten Welt ist das Reputationsrisiko exponentiell gestiegen. Die Berichterstattung in sozialen Medien verbreitet sich schneller und weiter als traditionelle Nachrichten. Ein Fall von Rattenbefall, dokumentiert und online geteilt, löst einen öffentlichen Skandal aus. Ein einziger Kakerlakenfund kann die Schließung eines Restaurants durch das Gesundheitsamt bedeuten.

Rechtliche Pflichten und finanzieller Schaden

Unternehmen sind auch durch gesetzliche Vorschriften gefährdet. Die Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV) und die EU-Verordnung 852/2004 (HACCP) verpflichten zur Schädlingsprävention. Bei Nichteinhaltung drohen Bußgelder oder die Schließung des Betriebs. Auch in der Immobilienwirtschaft kann ein verschwiegener Befall, z. B. durch Holzschädlinge, rechtliche Konsequenzen haben und zu einer Wertminderung der Immobilie führen.

Strategie und Zukunft: Von der Reaktion zur Prävention

Die wirksamste Verteidigung gegen Schädlinge beginnt nicht mit der Bekämpfung, sondern mit der proaktiven Prävention. Schädlinge benötigen Nahrung, Wasser und Unterschlupf. Unternehmen können diese Lebensgrundlagen systematisch eliminieren. Regelmäßige Inspektionen, die Schulung der Mitarbeiter und strukturelle Maßnahmen wie das Abdichten von Einfallstoren sind entscheidend. Dieser ganzheitliche Ansatz ist der Kern des integrierten Schädlingsmanagements und führt zu den besten Langzeitergebnissen.

Um diese Maßnahmen optimal umzusetzen, ist ein professionelles Schädlingsmonitoring unerlässlich. Dieses lückenlose Kontrollverfahren ermöglicht es, einen Befall zu identifizieren, noch bevor er sich ausbreiten kann. Wir bei SchädlingsHero bieten unseren Kunden ein umfassendes Monitoring an, das eine genaue Übersicht über die Schädlingsaktivität liefert und eine lückenlose Dokumentation für gesetzliche Anforderungen bietet.

Vorsprung durch Expertise

Die Schädlingsproblematik ist direkt an den Klimawandel gekoppelt und wird sich weiter verschärfen. Unternehmen, die Schädlingsmanagement als eine gelegentliche, notfallbasierte Ausgabe betrachten, tragen in Zukunft höhere Kosten und größere Risiken. Der Wert eines Dienstleisters liegt nicht in der reinen Bekämpfung, sondern in der Bereitstellung von Wissen und zukunftssicheren Systemen, die Risiken minimieren und die Einhaltung von Standards gewährleisten. Wer jetzt in präventive, digitale und nachhaltige Lösungen investiert, sichert sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Sophie Scharrer

Schädlingsexpertin bei SchädlingsHero

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