Doppelte Gefahr: Heimische Schädlinge und invasive Arten im Klimawandel
Veränderte Umweltbedingungen wirken wie ein Katalysator für die Schädlingsproblematik. Die Auswirkungen zeigen sich in zwei markanten Entwicklungen: einer rapiden Vermehrung einheimischer Arten und der Etablierung neuer, invasiver Arten durch den Klimawandel.
Wie beeinflusst der Klimawandel heimische Schädlinge?
Die milderen Winter und längeren, wärmeren Sommer haben direkte Auswirkungen auf den Fortpflanzungszyklus der Schädlinge und ihre Überlebenschancen. Was früher saisonal bedingt war, wird nun zu einem ganzjährigen Problem. Schädlingspopulationen, die sich in Lagerhallen oder gastronomischen Betrieben entwickeln, können sich rapide vermehren, wenn die Umgebung konstant warm bleibt. Je bessere Bedingungen Schädlinge vorfinden, desto schwerer sind sie auch loszuwerden – vor allem langfristig. Dies ist ein deutliches Signal für die Gefährdung von Unternehmen und städtischen Ökosystemen.
Verbesserte Überlebensbedingungen
Früher sorgten kalte Winter dafür, dass viele Larven und Puppen der Schädlinge starben. Milde Winter ermöglichen es den Tieren, diese Jahreszeit problemlos zu überleben. So sind bereits zu Beginn des Frühlings mehr Motten und Käfer aktiv, was den Befallsdruck von Anfang an erhöht.
Höhere Temperaturen sorgen bei Schadnagern wie Ratten für eine längere Brutsaison und bessere Überlebensbedingungen. Frost und Schnee, die früher einen natürlichen Regulierungsmechanismus darstellten, sind seltener geworden. Weniger Jungtiere sterben in den ersten Lebensmonaten, was die Überlebensrate der gesamten Population erhöht.
Alle Arten von Schädlingen profitieren durch den späten Frost von länger verfügbaren Nahrungsquellen in der Natur. Das führt dazu, dass sich im Winter größere Populationen in Betriebe und Gebäude zurückziehen können, um sich dort weiter auszubreiten.

Verkürzte Entwicklungszyklen
Ein weiterer Katalysator für den Anstieg von Schädlingspopulationen sind klimabedingt kürzere Entwicklungszyklen. Ein deutliches Beispiel dafür ist die Dörrobstmotte, eine der häufigsten Lebensmittelmottenarten in Lagerhallen, Restaurants oder Lebensmittelbetrieben.
- Bei einer Temperatur von 20 °C benötigt die Dörrobstmotte etwa 70 Tage für ihre Entwicklung
- Steigt die Temperatur auf 30 °C, verkürzt sich dieser Zyklus drastisch. Die Entwicklung dauert dann nur noch rund 28 Tage.
Das bedeutet: Eine um 10 Grad höhere Temperatur kann die Entwicklungszeit der Motte um mehr als die Hälfte reduzieren. Das erlaubt ihr einen zusätzlichen Fortpflanzungszyklus.
Wie beeinflusst der Klimawandel invasive Arten?
Neben heimischen Arten breiten sich auch invasive Spezies aus. Die Ausbreitung ist ein Zwei-Faktor-Problem. Der Klimawandel schafft die notwendigen Lebensbedingungen, während die Globalisierung die Transportmittel bereitstellt. Arten wie die Pharaoameise oder die Asiatische Hornisse stammen ursprünglich aus wärmeren Regionen. Sie gelangen oft als „blinde Passagiere“ über internationale Warentransporte in das Land und finden hier dank der milden Winter und längeren Sommer ein geeignetes Klima, um sich zu etablieren.

Das Risiko liegt nicht nur im Befall selbst. Viele dieser Arten können sich unvorhersehbar auf heimische Ökosysteme auswirken und potenziell neue Krankheiten auf Menschen und Tiere übertragen. Zudem ist auch die Bekämpfung oft schwieriger. Invasive Arten lassen sich häufig nicht mit denselben Mitteln wie einheimische Arten bekämpfen. So ist ein Zeitraum der Forschung und Entwicklung notwendig, bis geeignete Mittel gefunden und zugelassen werden.






